In den vergangenen Wochen und Monaten wurde viel spekuliert, was ist eigentlich mit dem SCAE German Chapter und wird es 2013 keine Barista Meisterschaften geben?
Mit dem Eindruck das es mehr Fragen als Antworten zur Situation um das SCAE German Chapter gibt, nahm socialbarista im Frühjahr 2013 Kontakt mit Mitgliedern und weiteren Interessierten aus der Szene auf, um die bestehenden Fragen soweit wie möglich zu klären und zu einen Gedankenaustausch über die Zukunft des SCAE German Chapter anzuregen.
Das ein Bedarf für einen solchen Dialog bestand, zeigte die Beteiligung die sich daraufhin ergab.
Aus diesem Austausch ist der nachfolgende Text entstanden. Er beantwortet nicht alle Fragen, aber er hilft vielleicht etwas Licht in das Durcheinander um die SCAE Germany zu bringen und soll dazu anregen, im konstruktiven Sinne über die Zukunft der SCAE, zumindest in Deutschland, zu Diskutieren.
Michael / socialbarista / März 2013
Kein Koordinator, keine Barista Meisterschaft. Was geht, SCAE Germany?
(Click here for the english translation)

So, oder ähnlich könnte man die Stellenbeschreibung für den Posten des nationalen Koordinators formulieren die seit Herbst 2012 vakant ist und für die bis heute kein neuer Kandidat nominiert werden konnte. Die Konsequenz daraus ist, dass zum einen 2013 Deutschland bei den Barista Welteisterschaften nicht vertreten sein wird, zum anderen die Mitglieder des SCAE German Chapter seit Monaten ohne Vertretung ihrer Interessen sind.
Kein schöner Zustand, zumal wenn man als Mitglied einer Vereinigung Beiträge zahlt. Man sollte dafür eine Gegenleistung erwarten können. Doch schon bei der Kommunikation zwischen der Dachorganisation der SCAE in London und einzelnen Mitgliedern, die sich um Aufklärung bemühen, gerät das Ganze ins Stocken. Während in Deutschland niemand mehr verantwortlich für die SCAE German Chapter zu sein scheint, werden Anfragen der Mitglieder, wenn überhaupt, nur unzureichend beantwortet.
Dass sich niemand bereit erklärt den Posten des nationalen Koordinators zu übernehmen liegt offenbar in der Natur dieser Funktion und den damit verbundenen Anforderungen.
Wer kann es sich leisten, Zeit in etwas zu Investieren, was an sich keine direkten Vorteile verspricht?
Zudem erfordern diese Aufgaben die Bereitschaft, zuerst die eigenen Interessen in Einklang mit den Interessen des Verbands zu bringen.
Wer kann es machen?
Für diese Position kommt nicht jeder in Frage. Nicht zwingend muss der Nationale Koordinator aus der Branche kommen oder dort beschäftigt sein. Es kann sogar von Vorteil sein, wenn diese Person als Unabhängiger und Externer, frei von Erwartungen und Ansprüchen, agieren kann. Ein enger Bezug zur Kaffee Branche ist jedoch Voraussetzung, Ebenso die Fähigkeit, offen zu kommunizieren, ein Team zu leiten, Aufgaben zu delegieren und deren Erledigung im vereinbarten Zeitrahmen auch einzufordern. Ebenso wird ein umfangreiches Netzwerk mit Kontakten zum Handel und zur Industrie in den unterschiedlichen Ebenen und Bereichen benötigt, um Partner für die kostenintensiven Veranstaltungen wie die Barista Meisterschaft zu gewinnen.
Im Anbetracht der Vielschichtigkeit und der Verantwortung, sowie der Widerstände, kann man verstehen das der bisherige Koordinator das Amt aufgegeben hat. Hinzu kommt erschwerend. dass ein Engagement nicht angemessen honoriert wird.
Trotzdem muss man sich die Frage stellen, wie es die anderen europäischen Chapter schaffen einen Koordinator zu finden der diesen Anforderungen entspricht und nicht mit den Aufgaben überfordert ist? Vielleicht hat es ja etwas mit der Mentalität zu tun? Ein Mangel an Unterstützung von Seiten der Mitglieder wird von den bisherigen Führungskräften der SCAE Germany e.V. aufgeworfen, während man wiederum von Mitgliedern, die ihre freiwillige Hilfe angeboten haben zu hören bekommt, dass ihr Angebot entweder ignoriert oder ausgeschlagen wurde. Dies führte zu Irritationen und Unverständnis, was der Motivation nicht gerade zuträglich war.
Offenbar besteht ein Mangel an Engagement welches einem Konkurrenzdenken oder dem Profilierungsanspruch einzelner übergeordnet sein sollte. Dies alles trägt dazu bei, dass das SCAE German Chapter nun an dieser Stelle der Stagnation angelangt ist. Und es sind nicht nur die Mitglieder die sich nicht ausreichend engagieren. Angebote und Versuche mit dem SCAE Germany e.V. in Kontakt zu treten gab es. Aber es ist auch die Intransparenz des Vereins der sämtliche Rechte für das German Chapter der SCAE hält und von dem man nicht einmal genau weiß wer eigentlich zum Vorstand gehört. Eine Grundvoraussetzung für einen Verein nach deutschem Recht.
Letztendlich ist es ein Zusammenspiel zwischen den Funktionsträgern, Mitgliedern und auch dem Handel und der Industrie im erweiterten Sinne. Denn auch sie sollte ein Interesse daran haben, dass Deutschland auch international angemessen als Kaffeenation mit Qualitätsanspruch vertreten ist.
Am Ende stellt sich immer die Frage, wozu sich jemand dazu bereit erklären soll die Verantwortung zu übernehmen und was der/diejenige letztlich davon hat. Die Antwort ist nicht einfach. Ohne das Engagement und die Unterstützung aus den Reihen der Mitglieder ist es kaum möglich die vielschichtigen Aufgaben angemessen wahrzunehmen. Der zeitnahe und intensive Austausch zwischen den Mitgliedern und dem Koordinator sowie dem SCAE Board in London sind Teil für eine konstruktive und produktive Gemeinschaftsarbeit. Sie würden eine wesentliche Entlastung für den Koordinator mit sich bringen.
Aber auch der Aufwand, der mit dieser Aufgabe verbunden ist, sollte angemessen honoriert werden. Es kann nicht sein, dass der Koordinator für seinen Einsatz keine Vergütung bekommt und die Kosten sogar zum großen Teil selbst tragen muss. Möglicherweise wäre hier eine Art Fond eine Lösung, über den zumindest ein Teil vergütet werden kann.
Wird das SCAE German Chapter überhaupt benötigt?
Die SCAE ist nicht die einzige Kaffee zentrierte Organisation in Deutschland. Auch der Deutsche Kaffeeverband ist eine Organisation welche die Interessen, insbesondere der Kaffeeindustrie, vertritt.
Der Spezialitäten Kaffee ist nur ein sehr kleines, aber dafür umso wichtigeres Segment am gesamten Markt.
Ihr Engagement ist im Vergleich zur SCAE jedoch größtenteils national begrenzt und bedient vorwiegend die Interessen der Industrie die den Massenmarkt versorgt.
Die internationale Vertretung der Interessen in diesem schmalen Nischensegment ist die Aufgabe der Specialty Coffee Association of Europe. Diese Interessen sind eng mit denen weiterer kontinentaler Organisationen weltweit abzustimmen und koordiniert zu werden.
Warum Kontinental und nicht Global?
Vorstellbar wäre eine Übergeordnete Organisation die nicht nur auf kontinentaler, sondern auf globaler Ebene für die Interessen der Mitglieder weltweit eintritt. Bei der doch überschaubaren Grösse dieser Branche nicht einmal abwegig und mit großer Wahrscheinlichkeit von Vorteil, da sich so die Synergien viel einfacher vermitteln lassen und eine Transparenz möglich wird, wie sie bei der SCAA selbstverständlich zu sein scheint.
Werden Barista Meisterschaften überhaupt benötigt?
In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an die Teilnehmer der Wettbewerbe erheblich gestiegen. Sowohl das Regelwerk wurde immer komplexer, aber auch der logistische Aufwand ist inzwischen für Teilnehmer ohne ein ausreichendes Budget kaum mehr tragbar.
Dem steht ein Mangel an Öffentlichkeitsarbeit gegenüber. Zur Zeit sind die Meisterschaften vor allem für die Branche und Industrie sichtbar, nicht jedoch für die interessierten Konsumenten.
Wird durch Meisterschaften die Kaffeekultur dem Endverbraucher angemessen näher gebracht? Die Antwort darauf hat mehrere Facetten. Letztendlich können alle davon profitieren, wenn mehr hochwertige Kaffees von professionellen Baristi zubereitet werden. Diesen positiven Eindruck richtig vermittelt, nimmt der Konsument mit. Er erwartet diese dargebotene Qualifikation zukünftig als Standard.
Wie geht es weiter?
So gesehen ist es von Vorteil, dass für die Weltmeisterschaften 2013 keine offiziellen Deutschen Meisterschaften stattfinden werden. Es gibt Gelegenheit, das Chaos und die Missverständnisse die sich in der letzten Zeit aufgebaut haben zu klären und auch über den Sinn einer solchen Vereinigung nachzudenken. Diese Gelegenheit sollten alle Beteiligten nutzen, sowohl die Mitglieder, als auch das Headquarter in London, wie auch die möglichen Sponsoren aus Handel und Industrie. Ein erster Schritt wurde im Frühjahr 2013 getan als sich eine Handvoll Leute über die Zukunft des SCAE German Chapter austauschten und auf dessen Grundlage dieser Text entstanden ist.
Es gibt bereits einen Lichtblick am Horizont ! Die Berlin Coffee Society und weitere Mitglieder arbeiten daran, im Herbst 2013 Meisterschaften zu organisieren.
Und auch in Sachen Nationaler Koordinator tut sich was, doch es ist noch zu früh um nähere Details zu nennen.
Die Grundlage für einen zukünftigen Dialog?
Vielleicht ist dies der Grundstein für eine Reorganisation und Neuausrichtung wenn dies als Chance für einen konstruktiven und produktiven Austausch wahrgenommen wird.
Wünschenswert wäre nicht nur ein Austausch zwischen den Mitgliedern der nationalen Chapter, sondern auch über die Grenzen hinaus mit den weiteren Verbänden weltweit, auch in Form von regelmässig stattfindenden Treffen.
Die Grundlage für einen solchen Austausch sind die gemeinsamen Interessen, denn Kaffeekultur wird weltweit Zelebriert und das nicht nur bei Meisterschaften sondern im täglichen Umgang mit den Gästen und Kunden, auf die alle Beteiligten, egal ob Mitglied, Barista, Röster, Händler oder Zulieferer, angewiesen sind.
Danksagung:
An dem Dialog haben sich Mitglieder, Juroren, Teilnehmer und freiwillige Helfer bei den Meisterschaften, sowie diverse Leute aus Deutschland und Europa beteiligt.
Vielen Dank für die großartige Beteiligung!
Besonderer Dank gilt Steffen Müller (twitter: @gotespresso), der mit seinem Engagement als Externer Kaffee Enthusiast wesentlich zu diesem Austausch beigetragen hat.